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Gerolding

 
 

Gerolding


 



 
Vom Dorf Mauer oder etwas oberhalb von Kirche führen zwei Wanderwege zunächst hinauf zur ehemaligen römischen "Hochstraße" mit einem herrlichen Ausblick bis weit in Voralpen und von dort entweder direkt über Lerchfeld und Nölling nach Gerolding. Bevor man die Anhöhe erreicht geht man einer Verebnung, der ehemaligen Strandterrasse des Tertiärineeres, die an einzeln Aufschlüssen und Sandsteinblöcken die typischen Fossilien der Meeresfauna zeigt. Auf dieser Verebnung konnten aber auch die Spuren einer früheren Besiedlung ab der jünge Steinzeit bis herauf in das Mittelalter festgestellt werden.

 
Auf dem markierten Weg nach Gerolding, -man muß aufpassen, er ist leicht zu verfehlen - geht es an einer weiteren Festungsanlage am Kreuzerkogel vorbei. Der Siecherbach hat hier Steilhänge
herausgearbeitet, deren Plateau auf der flacheren Seite von
dreifachen Wällen gesichert wurde. Die Keramikfunde gehen bis auf die Urnenfelderzeit zurück, eine Besiedlung Oder zumindest zeitweise Verwendung als Zufluchtsort kann bis in das Mittelalter
angenommen werden. Kommt man näher an Gerolding heran, so sieht man die Kirche mit ihrem auffälligen Turm schon von
weitem. Ist man dort angelangt, so öffnet sich ein weiter Rundblick nach Süden bis hinein in die Voralpen. Hier stand möglicherweise die Burg Gerolds aus dem 9. Jahrhundert. Der an der Stelle des Kirchhoftores gelegene Halsgraben schnitt das Kirchenplateau von der tieferen, jetzt vom Pfarrhof vorbauten Vorburg ab. Noch heute nennt man ein neben der Kirche gelegenes älteres Gebäude, die "Zwerglburg". Die Burganlage als Ganzes gesehen weist nach Meinung der Fachleute in das frühe Hochmittelalter. 1165 ließ Marquard von Schönbühel die Kapelle in Gerolding zur Pfarre erheben. Sie kam dann an die reiche Familie der Maissauer, die 1387 die passauische Pfarrei an das von ihnen gegründete Kloster Aggsbach übertrug. Bis in das 17. Jahrhundert gehörte noch Schönbühel zum Geroldinger Pfarrbereich, und mit der Aufhebung der Kartause schied auch dieser Bereich aus dem Pfarrver, band aus. Der schöne gotische Kirchenbau thront gewissermaßen über dem Ort. 

 
Der achteckige gotische Nordturm trägt einen locker aufgesetzten, spätbarocken Zwiebelhelm. Zwischen den starken Strebepfeilern verweisen die Maßwerkfenster mit zum Teil originellen Steinmustern auf die spätgotische Bauzeit. Hier ist der Name des Pfarrers Hans eingemeißelt, dem früher auch die Jahreszahl 1422 beigefügt gewesen sein soll. Das helle, saalartige, zweijochige Langhaus mit einem flachen Tonnengewölbe hat möglicherweise in den Außenmauern romanische Teile eingebaut. Der breite, einjochige Chor mit einem Kreuzrippengewölbe und einem sogenannten Fünfachtelschluß ist auf die Zeit zwischen 1422 und 1433 datierbar, die Westernpore mit einem Kreuzgratgewölbe ist barock. Der schöne, aus der Zeit um 1700 stammende, barocke Hochaltar mit reichen Verzierungen in Schwarz und Gold hat im Hauptbild eine "hI. Sippe". Um 1740 wurde er verändert und 1864 - eine Jahreszahl verweist darauf - vermutlich restauriert. Der Überlieferung nach kam er aus der Kartause Aggsbach hieher. Die schönen Sitz- und Sakramentsnischen auf beiden Seiten des Chores sind ebenfalls spätgotisch, aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts, der Taufstein ist barock, aus dem 17. Jahrhundert. Am Übergang zum Langhaus steht am Scheidebogen die Jahreszahl 1310. Worauf sie hinweisen soll, ist nicht mehr bekannt. Die beiden spätbarocken Seitenaltäre mit einem Muttergottesbild und einem Bild des hl. Sebastian sind mit den für Landkirchen typischen Heiligenfiguren umstellt. Bemerkenswert sind die in den fünfziger Jahren freigelegten Fresken: frühbarocke Darstellungen der Muttergottes mit Kind und eines Heiligen, der das Skapulier entgegennimmt. Diesen gegenüber steht die spätgotische, einfache, aber formschöne Kanzel aus dem beginnenden 16. Jahrhundert. Die schlichten Heiligenstatuen der hl. Florian und hl. Leonhard an den Wandpfeilern stammen aus dem ausgehenden 19. Jahrhundert. Im Schiff finden sich noch zwei Deckenfresken, eine hl. Familie und die Taufe Christi, signiert mit M(argarete) Sturm (19)55. Die Orgel auf der Empore ist ein einmanualiges Werk mit acht Registern, eine Arbeit von Max Jakob aus dem Jahre 1910. In der Vorhalle zur Kirche sind die Wappengrabsteine des Siegmund Zeller, gestorben 1495, und des Wolfgang Rutenbaum, gestorben 1532, angebracht. An der Südseite der Kirche steht ein kleiner, 1973 ausgegrabener Stein mit einem seltsam geformten Kreuz oder Lebensbaum eingraviert, der sich zeitlich kaum einordnen läßt. Die Ansichten gehen weit auseinander, von keltisch über romanisch bis slawisch. 

Von Gerolding und dem benachbarten Nölling aus, wo man in Einkehrgasthäusern auch Nächtigen kann, führen schöne Waldwege nach Schönbühel, über Hohenwarth nach Aggsbach und an Heitzing vorbei durch das Reintal in den Wolfsteingraben. Durch diese Gegend führt auch der große Dunkelsteinerwald Rundwanderweg. Von Schönbühel aus dem Donautal kommend geht er über Gerolding nach Wolfstein, weiter nach Aggsbach, über die Ruine Aggstein nach Maria Langegg, dann weiter in den nördlichen Teil des Dunkelsteinerwaldes und kehrt über Schenkenbrunn, Gansbach und den Dunkelstein wieder zum Ausgangspunkt Hafnerbach zurück.