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Mauer

MauerMauer

Mauer bei Melk erreicht man am besten über die Straße von Loosdorf. Schon von weitem sieht man die mächtige, in der Silhouette recht eigene Kirche etwas außerhalb des Ortes. Kurz nach der großen Brücke über die Pielach trifft man auf einen niedrigen Übergang über den Mauerbach. Bleibt man stehen und macht man sich die Mühe unter die Brücke zu sehen, so findet man ein uraltes Steinwerk, das von den Sachverständigen als ursprünglich römisch angesehen wird. Die kleine zierliche Brücke ist mit der neuen, größeren überbaut worden. Es ist ein Gegenstück zu der weiter oben, am selben Bach gelegenen, viel bekannteren Römerbrücke zwischen Lanzing und Umbach. 

Römerbrücke / bridge of romans


Fährt man in den kleinen, bäuerlich geprägten Ort hinein, so findet man linkerhand ein Haus (Mauer Nr. 11), das mit spätgotischen Strebepfeilern und Erker auffällt. Im Volke wird es für ein ehemaliges Kloster gehalten. Möglicherweise gehörte es einer kleinen Adelsfamilie, die sich nach Mauer nannte und später von den Rittem Flemming beerbt wurde. Im Ort laden ein Einkehrgasthaus und eine Jausenstation zur Labung und Erholung ein. Mitten im Ort kündigt sich bereits die gotische Blütezeit an. Eine wunderschöne "Lichtsäule" datiert 1520, erscheint zwar im Vergleich zu den Kunstwerken der Kirche gedrungen und derb, ist aber in seiner Art und Ausprägung typisch für die volkstümliche Kunst der sogenannten donauländischen "Astwerkgotik'. Damit steht der Tabernakelbildstock künstlerisch über den zahlreichen Kleindenkmälern in der Flur, die unsere Landschaft weithin mitprägt. Man kann zu der etwa einen halben Kilometer außerhalb des Ortes stehenden Kirche auch vom Bach im unteren Dorfteil hinaufwandern.
Mauer Lichtsäule/ pillar Mauer Lichtsäule / pillar
In einem der Keller - so wird berichtet - wurde im Türkenjahr 1683 von vorlauten und angeheiterten Melker Bürgern ein kleiner Spruch angebracht, nachdem sie bei der Verfolgung einer tartarischen Horde den Ort verwaist vorgefunden hatten; die Mauringer Einwohner hatten das Weite gesucht und sich in den Wäldern versteckt: 

Weilen die Maurer seynd weggeloffen, 
haben die Mölcker den Wein ausgsoffen. 

Auf das hohe Alter des Ortes verweist das an der Kirchentüre eingemauerte Fragment eines Römersteins. Diese Stelle wird schon im 11. und 12. Jahrhundert "apud Mura", "Muri" oder "ad Mura" genannt. Dies erinnert deutlich an Mauerreste, vermutlich römische, die den mittelalterlichen Siedlem aufgefallen waren. Ja, vielleicht trug der heutige Kirchenplatz sogar ein altes römisches oder sogar vorrömisches Heiligtum. Von der Lage und Aussicht wäre das gut vorstellbar. Auf das hohe Alter verweist aber auch die Legende des hl. Gothalm, der als Diener des hl. Koloman dessen Grab besuchen wollte und hier vor Trauer und Erschöpfung (1017 / 1018) verstorben war. Als an seinem Grab Wunder geschahen, überführte man seine Gebeine zu denen seines Herrn im Stift Melk. Damals hatte die alte Rörnerstraße oberhalb des Ortes, auf die heute noch der dafür typische Flurnamen "Hochstraße" hinweist, offenbar noch größere Bedeutung. Die Kirche und Pfarre Mauer reicht bis in die frühe Besiedlungsgeschichte des Dunkelsteinerwaldes zurück.- Die mächtigen Grafen von Formbach haben sie 1098 gegründet und um 1110 an das Stift Göttweig übertragen.