Home
Der Schitzaltar von Mauer

Altar Mauer

Der Anziehungspunkt der Kirche, der berühmte Flügelaltar, steht an der hinteren Wand des Hauptschiffes. Wohl die einfühlsamste Beschreibung dieses gotischen Kleinods hat Wolfgang Häusler in seinem Buch über den Dunkelsteinerwald gegeben. Sie soll daher fast üngekürzt hier aufgenommen werden- "Der Altar ist nicht gefaßt und war es auch wohl nie. So können hier alle Einzelheiten der Holz- bearbeitung studiert werden. Das Geheimnis dieses Kunstwerks läßt sich nicht auf den ersten Blick erfassen, man muß sich ihm vielmehr Stück für Stück im Wissen um die Form und den Bedeutungsgehalt nähern, um zum Kern dieser Schöpfung vordringen zu können. Der oberflächliche Betrachter sieht ein verwirren- des Gewimmel von Figuren, das sich voll- plastisch im Schrein entfaltet und auf den Seitenflügeln ausklingt. Wie ein Holzschnitt Dürers will dieses Kunstwerk "gelesen" werden, ehe sich das Ganze enthüllt... Nähern wir uns über die ikonographisch problemlosen Altarflügel dem Zentralthema. Es ist das Leben Mariens, das hier in seinen wichtigsten Stationen vorgeführt wird. In der Verkündigungsszene tritt ein wie vom Sturm bewegter Engel mit weitgebreiteten Flügeln in die eng- umschlossene Welt der Jungfrau. Von schwerer Körperlichkeit sind die Gestalten der schwangeren Frauen in der Szene der Heimsuchung, die vor einem reichen Landschaftshintergrund mit Bäumen und Burgen spielt. Die innigste Stimmung ist dem Künstler in dem die Geburt Christi darstellenden Relief gelungen. Das neu- geborene Kind liegt in seiner rührenden Kleinheit auf dem Mantel Mariens. Ein Chor von Engeln, Ochs und Esel bestaunen das hier geschehene Wunder. Josef, hütet das Licht, durch ein Loch im Gemäuer des Stalles sieht man die Verkündigung an die Hirten. Im Marientod hat der Meister in den Köpfen der die sterbend zusammensinkende Frau um, stehenden Apostel alle Stufen des Schmerzes, der Trauer, aber auch der Hoffnung ausgedrückt. Einem alten Bildmotiv folgend, erkennt man in den Wolken Christus, der die Seele Mariens in Gestalt einer kleinen Figur zu sich nimmt. Über ihre künstlerische Bedeutung hinaus sind uns die Flügelreliefs auch als Datierungshilfe für den Altar willkommen. Die ersten drei Reliefs haben Holzschnitte Dürers aus dem 1504 voll, endeten Zyklus des Marienlebens zum Vorbild, während das erst 1515 hergestellte Blatt des Marientodes nicht mehr als Vorlage verwendet wurde. Hier folgt der Meister von Mauer einem älteren, im 15. Jahrhundert oft dargestellten Bildtypus. Zu dieser Eingrenzung würde gut die Kunde von einer Altarsteinweihe von 1509 passen. Mit Sicherheit können wir das Altarwerk also in den Beginn des 16. Jahrhunderts, die letzte Phase der in unserem Bereich als Kunst der Donauschule bezeichneten Gotik sehen. Die Stilmerkmale dieser Epoche haben nun im Mittelschrein ihren vollendeten Ausdruck gefunden.