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Die Kirche von Mauer

 Die Baugeschichte der Kirche ist schon vom äußeren Ansehen abzulesen. Die ältesten datierbaren Bauteile sind die beiden Seiten- Schiffe im niedrigeren Westabschnitt des Gotteshauses. Sie gehören in die Zeit um 1300, möglicherweise steckt im Hauptschiff ein romanischer Kern. Der klobige Turm mit den aufgesetzten Dacherkern ist gotisch, läßt sich aber zeitlich nicht genauer einordnen. Das nach Osten anschließende, fast wie der Turm so hohe Hauptschiff ist aus der späten Gotik. Wahrscheinlich wurde dieser jüngere Choranbau im 15. Jahrhundert begonnen und um 1500 fertiggestellt. An der freien Westwand deuten die Ansätze für die Gewölberippen darauf hin, daß ursprünglich ein dreischiffiger Ausbau vorgesehen war, der vermutlich wegen der fehlenden Geldmittel oder des fehlenden Bedarfs zurückgestellt und nicht mehr ausgeführt wurde; Dies läßt sich auch aus der historischen Überlieferung belegen: Wie man weiß, ist die Kirche in Mauer im Spätmittelalter zu einem viel- besuchten Wallfahrtsort geworden. Die "Maria am grünen Anger" hatte eine derartige Beliebtheit erlangt, daß man an eine Vergrößerung des Gotteshauses denken mußte und den großzügigen Ausbau begann. Die Zeitumstände und vor allem das religiöse Umdenken an der Wende zur Neuzeit haben die Weiterführung des Plans verhindert. Die Kirche in Mauer ist unvollendet, sie zeigt ihre Baugeschichte bereits in ihrer unruhigen äußeren Form. 

 
Im Innem betritt man zunächst den dunkleren, niedrigeren frühgotischen Bauteil mit einer viel später eingezogenen Flachdecke aus dem 18. Jahrhundert. Von diesem gedrungenen Vorhaus steigt das hohe, lichtdurchflutete Hauptschiff mit dem weitgespannten Netzrippengewölbe richtiggehend auf. Vorne, im Zentrum, steht der barocke Hochaltar mit dem Gnadenbild, einer Marienstatue aus dem 14. Jahrhundert. Die Verbindung zum Stift Göttweig stellen die Statuen des hl. Benedikt und seiner Schwester, der hl. Scholastika, aber auch die des hl. Petrus und hl. Paulus her. Eben- so wie der Hochaltar entstanden die beiden Seitenaltäre mit Bildern des hl. Josef und der hl. Anna um 1756 aus der Hand des heimischen Künstlers johann Georg Faisz. Von besonderem Gehalt ist jedoch auf der linken Seite das schlanke, hochgezogene Sakra- mentshäuschen, das mit dem Jahr 1506 datiert ist. Die großartige Behandlung des Steins stellt es in die Reihe der vollendetsten Werke der auslaufenden Gotik in Österreich. Die ge- wundenen und verschnörkelten Giebeln, die Krabben, Fialen und Rosetten ziehen nach oben wie in einem schlanken, hochgeschossenen Baum. Dazwischen verweisen die Heiligenfiguren auf den eigentlichen Zweck des Kunstwerks als Tabernakel für den großen Flügetaltar. So ist es zumindest überliefert. Zu Unterst steht ein Engel und der hl. Sebastian, darüber die Madonna, die hl. Katharina und hi. Barbara, dann folgen jeweils übereinander die hl. Stephanus, Benedikt und Nikolaus. Eine Nische ist im untersten Teil freigeblieben, in ihr stand vermutlich der hl. Nikolaus, dafür ganz oben an seinem jetzigem Standort ein segnender Christus. Gegenüber sind an der Wand des Presbyteriums zwei wunderschöne Grabdenkmäler der Familie Enenkl angebracht. Sie waren Besitzer der nahegelegenen Feste Albrechtsberg und hatten hier in der Kirche von Mauer eine zeitlang ihre Grablege. Der eine Grabstein mit dem Wappen der Enenkel, dem geschachteten schrägen Balken, ist für den Stifter dieser "Kapelle" , Georg Enenkel, der 1415 starb; der andere, mit der Figur des Eustach Enenkel im Harnisch, gehört schon der frühen Renaissance an, er starb 1548. Unter den Kirchenbänken liegen noch zwei Marmorgrabsteine verborgen: der eine für den im Jahre 1468 verstorbenen "edel und vest" Georg Weissenböck, der andere für die 1382 (?) verstorbene Katharina von Pielach, die Frau des Paul Rädler von Sichtenberg, eine Wohltäterin der Kirche in Mauer. Die mit dem Jahre 1757 datierte Kanzel ist bekrönt mit einem Auge Gottes und der Figur der hl. Barbara sowie vier Putti mit den Attributen der lateinischen Kirchenväter. Der "Himmel" der Kanzel zeigt die Taube des Heiligen Geistes.