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Schallaburg

Schallaburg

Bevor man zur Schallaburg ansteigt durchquert man den Ort Anzendorf. Es ist dies das "Dorf, das nach einem Mann namens Anzo benannt ist. Es erscheint erstmals 1251 in einer Urkunde des Stiftes Melk, muss aber schon viel früher bestanden haben. Ob die drei im Jahre 888 von König Arnulf an das Kloster Kremsmünster geschenkten, von Slawen bewirtschafteten Königshuben am Bach "Scalaha" hier lagen, muss unentschieden bleiben. Der Schallabach fließt jetzt kanalisiert durch den Ort. Mitten in Anzendorf liegt der Meierhof der Grundherrschaft Schallaburg. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam er in Privatbesitz. Die Ortskapelle wurde 1912 errichtet.

 
Das Gebiet zwischen Pielach und Melkfluß war im Besitz der Familie der Sighardinger, die hier ab der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts fassbar ist. Bei einer Erbteilung fiel der nördliche Teil an den älteren Sighard, der sich auf der Schallaburg ein neues Zentrum errichtete, der südliche Teil des Hiesberggebietes kam an Friedrich von Peilstein. Die Burghausen,Schala starben jedoch bereits zwei Generation später am Ende des 12. Jahrhunderts aus. Der weitere Besitz- und Erbgang ist leider sehr unklar: Die Burg erscheint in der Hand des Landesfürsten und auch der verwandten Peilsteiner. 1242 besitzt der herzogliche Ministeriale Otto von Ottenstein die Burg. Später wird klar zwischen einer landesfürstlichen Hälfte, wie das Lehen vergeben wurde, und der anderen Hälfte im Eigenbesitz unterschieden. 1286 belehnte Herzog Albrecht in Anwesenheit zahlreicher Adeliger Otto von Zelking und dessen Frau Leukardia mit der halben Feste Schala. Die Familie der Zelkinger hatte ihre Stamrnburg auf der Westseite des Hiesberegs. Sie war ursprünglich hochfrei, dürfte aber durch die Übernahme eines Amtes in die Dienst, mannschaft der Babenberger gekommen sein. Feste und Herrschaft Schalaburg blieb in der Folge im Besitz der Zelkinger. 1431 vermachte Stephan von Zelking testamentarisch, falls er ohne Erben sterben sollte, die Schallaburg mit allen Zugehörungen an seine Schwester Elisabeth, verheiratet mit einem Pottendorfer, und die sieben Kinder seiner bereits verstorbenen Schwester Anna aus der Ehe mit Bernhard von Losenstein. Als Stephan 1450 starb, folgte zunächst seine Witwe im Besitz nach, aber schon 1456 einigten sich die Losensteiner und Pottendorfer über das Erbe, wonach Hartneid von Losenstein als Ältester für seine Geschwister die schallaburgischen Güter übernahm.

Schallaburg

Die Losensteiner gehörten zu den angesehnsten und vornehmsten Familien des Landes ob der Enns. Sie teilten sich in drei Linien, deren eine auf der Schallaburg ihren Stammsitz bekam. Von Sebastian von Losenstein hat sich in der Familienchronik eine kleine Episode erhalten, die wert ist, erzählt zu werden. Als Herzog Ferdinand 1521 in Linz Hochzeit hielt, forderte ein vornehmer Spanier aus dem Gefolge des Landesfürsten die anwesenden Deutschen zum Zweikampf heraus. Man beachtete ihn zunächst nicht, um die Feierlichkeiten nicht zu stören.

Da der Spanier in seiner aufdringlichen Art immer dreister wurde, meldete sich Sebastian von Losenstein zum Kampf Vor den Bühnen für die hohen Gäste und einer Menge Schaulustiger erschien er in ganz einfacher Aufrnachung und hatte zur Verwunderung aller einen schweren Bihänder umgegürtet, sein Pferd trug einen Maulkorb. Als die beiden mit Spießen aufeinander ritten und fehlten, griffen sie zu den Schwertern. Der schnell schlagende Spanier brachte Sebastian in arge Bedrängnis, niemand gab ihm mehr eine Chance. Das spanische Großmaul ermattete jedoch rasch und nun nahm der Losensteiner seinem Pferd den Maulkorb ab, dieses verbiß sich in des Gegners Pferd, und mit beiden Händen seinen Schwert ummfassend, schlug Sebastian dem Spanier den Helm auseinander und verwundete ihn fast tödlich. Diese Geschichte wurde in einem Flugblatt, einer "Zeitung", in den österreichischen Ländern bekannt. Der kinderlose Sebastian wurde von seinem Neffen Christoph von Losenstein beerbt, Er zählte zu den angesehnsten Mitgliedern des Adels und hatte durch seine Ehe mit Christina von Montfort, die wiederum von einer polnischen Prinzessin abstammt und Hofdame bei der Königin war, persönliche Kontakte zum Herrscherhaus geknüpft. Unter ihm begann die großartige Ausbauphase der Feste und Burg zum Schloß mit einem entsprechenden Wohnkomfort. Christoph starb jedoch 1558 noch relastiv jung und ganz unvermutet und musste die großen Ausbaupläne seinen Kindern zur Ausführung überlassen. Die beiden Söhne Georg Achaz und Hans Wilhelm waren beim Tod ihres Vaters noch im Knabenalter und machten die für die Adeligen damals übliche Erziehung durch, dabei auch eine Kavalierstour, die sie nach Deutschland und Italienführte. Hans Wilhelm von Losenstein heiratete 1568 Radegund von Schärffenberg und teilte sich daraufhin mit seinem Bruder das Erbe. 

Er erhielt die Schallaburg zugesprochen. Hans Wilhelm suchte sein Glück weder im Fürstendienst noch in der ständischen Landespolitik, er widmete sich mehr seinen Gütern und seiner evangelischen Religion. Er baute sich seinen Sitz zu einem großartigen Schloß aus und widmete sich besonders seiner Herrschaft, die mit dem Zentrum Loosdorf eine Reihe von Privilegien erhielt. Dort baute er die Kirche neu auf, errichtete die "Hohe Schule" zur Erziehung der adetigen Jugend und förderte den protestantischen Glauben. Er starb 1601 ohne Erben auch aus seiner zweiten Ehe mit Christina von Roggendorf.8 Erbe der Schallaburg, aber auch der immens hohen Schulden wurde Hans Wilhelms Neffe Georg Christoph von Losenstein. Sein vermögender Schwiegervater erlöste ihn jedoch aus der ererbten Schuldentast. Der aus einem alten steirischen Geschlecht stammende Georg von Stubenberg übernahm die Schallaburg und die zugekaufte Herrschaft Sichtenberg als Ersatz für die von ihm durchgeführte Schuldentilgung in den stubenbergischen Erbbesitz. Er verließ als treuer Anhänger der protestantischen Lehre das Land und vermachte bzw. vererbte die Güter an die jüngere Verwandtschaft. Die Schallaburg bekam Hans Wilhelm von Stubenberg, der seine Jugend in Armut und Entbehrung in Loosdorf verbracht hatte. Als Pferdeliebhaber und großartiger Reiter befaßte er sich mit Pferdezucht und begann mit verschiedensten Übersetzungen aus dem Italienischen und Französischen. Wegen seiner literarischen Tätigkeit bald bekannt geworden, nahm ihn die "Fruchtbringende Gesellschaft", die damals wichtigste deutsche Sprachgesellschaft unter ihren Mitgliedern auf. Da auch Hans Wilhelm seiner religiösen Haltung wegen die Ausweisung drohte, verkaufte er 1660 die Schallaburg an Reichard Augustin Kletzl von Altenach.



1955 ging die Schallaburg auf Grund des Staatsvertrages in das Eigentum der Republik Österreich pber und wurde 1967 von Land Niederösterreich erworben. Es folgte eine großangelegte Renovierung der Schallaburg von 1968 bis 1974. Alljährlich finden wechselnde Ausstellungen und zahlreiche Veranstaltungen statt.